EMDR 2017-09-14T10:08:23+00:00

Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR)

EMDR ist eine Methode, die ihren Ursprung in der Traumatherapie hat und der bis heute eine zentrale Bedeutung bei der Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) zukommt.

Menschen mit einer PTBS haben negative Erfahrungen so im Gehirn gespeichert, dass es zu heftigen Störungen kommt. Auch wenn die Extremsituation bereits viele Jahre zurückliegt, kann es sich aufgrund eines bestimmten Triggers (engl. für Auslöser – also eines Reizes, der in irgendeinem Zusammenhang mit der alten Erfahrung steht) für den Betroffenen so anfühlen, als ob sich das Geschehen im gegenwärtigen Augenblick ereignet und er spürt es ganz aktuell in seinem Körper, begleitet von den Gedanken, Gefühlen und Bildern von damals.

Grund dafür ist, dass unsere normale Informationsverarbeitung unter Umständen nicht richtig funktioniert, wenn wir etwas Schlimmes erleben.

EMDR

Es scheint so, als ob unser Gehirn ab einem gewissen Ausmaß intensiver Gefühle von Angst, Wut, Scham, Schmerz und Trauer seine übliche Verarbeitungsprozedur nicht mehr durchführen kann.

Einzelne Teile eines Erlebnisses – Sinneseindrücke, Gefühle, Körperempfindungen und Alarmgedanken – werden nicht zum Großhirn weitergeleitet und dort mit für eine Bewältigung hilfreichen Informationen vernetzt, sondern bleiben als unverarbeitete Bruchstücke wie „eingefroren“ in bestimmten Hirnregionen stecken.

Das Seepferdchen hat Macht
und Mandelkern macht Angst.

Exkurs in die Hirnforschung
Nun ist es aber nicht so, dass wir ein schweres Trauma erlebt haben müssen, um über „eine Sache nicht hinweg zu kommen“ und womöglich jahrelang anhaltende Symptome zu entwickeln.
Traumatherapie

Jede Art aufwühlenden Erlebnisses kann prinzipiell die normale Verarbeitung von Informationen so stören, dass wir die Situation unverarbeitet abspeichern und sie unser gegenwärtiges Erleben massiv beeinflusst. In Abgrenzung zu den zuvor beschriebenen Traumata spricht die Psychologie hier von Stress-Imprints, alternativ finden sich auch die Begriffe Biographiestress bzw. Schlüssel- oder Deckerinnerungen.

Hierin wird deutlich, dass der Zusammenhang zwischen gegenwärtigen Symptomen und den ihnen zugrunde liegenden Erfahrungen häufig gar nicht direkt erkennbar ist.

Doch gleichgültig, ob wir uns bewusst erinnern oder nicht, meistens gibt es ein Erlebnis oder Erlebnisketten, die das beständige Auftreten unangemessener, zu intensiver oder nicht kontrollierbarer Gefühle, wiederkehrender schädlicher Verhaltensmuster oder auch bestimmter körperlicher Beschwerden verursacht oder zu deren Entstehung beigetragen haben.

Dabei sind wir gerade in jungen Jahren sehr empfänglich für solche Stress-Imprints. Forschungen belegen, dass die Verknüpfung von Hippocampus zum Cortex erst etwa ab dem dritten Lebensalter funktionsfähig und ab dem Schulalter zunehmend stabiler wird. Das bedeutet, erste Erfahrungen werden primär emotional erlebt und gespeichert, erst später entstehen Gesamterinnerungen als Verknüpfung verschiedener Erlebnisinhalte. Schließlich bildet sich über einen längeren Entwicklungszeitraum ein neuronales Netzwerk, das auch notwendige Ressourcen zur Verarbeitung belastender Erfahrungen enthält.

Häufig sind frühe Belastungen und deren Auswirkungen auch deshalb schwer zugänglich, weil zum Zeitpunkt ihrer Entstehung unsere Sprachentwicklung noch gar nicht so weit fortgeschritten war, um sie in Form von Sprache zu beschreiben und zu speichern. Auch deswegen ist es manchmal so, dass wir „irgendwie diese oder jene Empfindung spüren“, ohne dass wir es in Worten beschreiben könnten, was es genau ist.

Fest steht: In jedem Lebensalter kann es zu unverarbeiteten Stress-Imprints kommen, bei denen die normale Informationsverarbeitung ins Stocken geraten ist, einzelne Erfahrungen isoliert und emotional abgespeichert werden, sich nicht mit nützlichem oder für die jeweilige Situation angemessenem Wissen verbinden können und so wie ein „blauer Fleck auf der Psyche“ zu wiederkehrenden Beschwerden führen.

Was geschieht bei EMDR

–      wofür steht die Abkürzung?

EMDR ist in der Lage, die blockierte Verarbeitung von Informationen wieder „zum Laufen“ zu bringen und den „eingefrorenen“ Zustand im Nervensystem aufzuheben. Die heilende Wirkung des EMDR bestätigen zahlreiche Untersuchungen der letzten zwanzig Jahre, so dass EMDR seit 2006 als wissenschaftlich anerkannt gilt. Wie so oft in der Wissenschaft, ist bei der Frage warum es wirkt, noch vieles offen.
EMDR

Die besondere Wirkweise von EMDR scheint darin zu bestehen, dass es ähnliche Hirnprozesse in Gang setzt wie sie während der REM-Phase des Schlafes stattfinden.

Durch einleitende Fragen stellt der Therapeut zunächst den Zugang zu der belastenden Erinnerung her, die den Boden für die augenblicklichen Probleme bereitet haben. Dann verursacht er beidseitige Augenbewegungen, also die charakteristischen schnellen Eye Movements aus der gleichnamigen Schlafphase, indem er seine Finger vor dem Gesicht des Klienten hin- und herbewegt und ihn bittet, diesen mit den Augen zu folgen. Alternativ kann der Therapeut abwechselnd auf die rechte und linke Hand des Klienten tippen oder neben dem Kopf des Klienten beidseitig mit den Fingern schnippen.

Durch diese abwechselnde Aktivierung der Hirnhälften wird das limbische System beruhigt und die emotionale Störung reduziert ( Desensitization – das, was man in der Verhaltenstherapie als Desensibilisierung bezeichnet).

Gleichzeitig wird die Weiterleitung der bislang unverarbeiteten Informationen ins Großhirn ermöglicht, so dass sie dort mit bereits vorhandenem Wissen verbunden, neu strukturiert und besser abgespeichert ( Reprocessing – im Deutschen so viel wie Neuverarbeitung ) – also integriert werden können.

Doch wie gelangt man von den heutigen Symptomen zu den dahinter liegenden belastenden Erfahrungen, wenn diese nicht so offensichtlich erkennbar sind wie bei einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS)?

In ihrem 2012 im amerikanischen Original und 2013 unter dem deutschen Titel „Frei werden von der Vergangenheit“ erschienen Buch stellt die Begründerin des EMDR, Francine Shapiro, hierzu Wege dar. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um die aus der Hypnosetherapie stammende und auch in der Schematherapie angewendete Affektbrücke, bzw. die aus dem NLP oder der Systemischen Therapie bekannte Arbeit mit der Timeline (dt. „Zeitlinie“).

Die Grundidee dieses assoziativen Vorgehens:

Der Klient wird angeleitet, die gegenwärtige Problematik in einer typischen Form und so intensiv wie möglich zu aktivieren, um sich anschließend mit diesem Erleben innerhalb seiner eigenen Biographie bis zu dem Punkt vorzutasten, an dem er dieses Empfinden in ähnlicher Form schon einmal erlebt hat.

Das wingwave-coaching, das EMDR von jeher zur Auflösung von Biographiestress und zur Steigerung von Leistungssicherheit und Wohlbefinden einsetzt, nutzt darüber hinaus eine ganz besondere Technik, den Stress-Imprints auf die Spur zu kommen: Den Myostatik- bzw. Omura-Ring-Test.

Dieser stellt damit eine wesentliche Bereicherung für das EMDR dar, da sich durch ihn treffgenau ermitteln lässt, welche Ereignisse den „Stressabdruck“ erzeugt haben und worin ihre bis in die Gegenwart reichende belastende Wirkung besteht.

EMDR bewirkt bereits in wenigen Sitzungen oft nicht nur erstaunliche Veränderungen im fokussierten Thema. Da die Netzwerke der Erinnerungen mit denen man arbeitet, ihrerseits auch wieder zahlreiche weitere Verbindungen aufweisen, finden sich häufig auch in anderen Lebensbereichen positive Konsequenzen bei der Arbeit mit EMDR.

Die Veränderung der Struktur und Funktionsweise des Gehirns nennt sich Neuroplastizität.

Tatsächlich ist die Neuroplastizität nicht etwas, was nur dem EMDR vorbehalten ist. Sie findet bei jeder Form von Lernen und Erfahrung statt.

Nach einem (therapeutischen) Gespräch ist Ihr Gehirn nicht mehr dasselbe wie vorher. Forschungen belegen, dass es durch die Behandlung mit EMDR sogar zu einer Regeneration des Hippocampus kommen kann, d.h. die Anzahl der Zellen steigt wieder an.